(Wappen) Siebenbuerger Sachsen in Baden-Württemberg (Wappen)
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Einleitung

Johann Lauer

Johann Lauer


Das 50-jährige Bestehen der Landesgruppe Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland ist Anlass, Bilanz zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu richten. Buch, beigelegte CD-ROM und Homepage im Internet als Teile eines trimedialen Projektes sollen mehrere Gruppen ansprechen: die Mitglieder der Landsmannschaft, alle Siebenbürger Sachsen, nicht zuletzt unsere badischen und württembergischen Mitbürger sowie die an Siebenbürgen und den Siebenbürger Sachsen interessierte Öffentlichkeit. Wir wenden uns an alle Altersgruppen und verfolgen dabei mehrere Ziele:

  • Die vielfältigen Aktivitäten der Landes- und Kreisgruppen in den vergangenen 50 Jahren werden exemplarisch festgehalten und weitere siebenbürgisch-sächsische Vereine vorgestellt (Teil I).
  • Es wird ein Porträt der Siebenbürger Sachsen erstellt (Teil II).
  • Darüber hinaus wird eine Diskussion über die Zukunft unserer Gemeinschaft eröffnet (Teil III).
  • Dieses Projekt soll eine Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit bilden, denn leider gilt: "Nicht die Taten, sondern die Worte über die Taten bewegen die Menschen" (Augustinus).

Übersicht


Teil I: 50 Jahre Landesgruppe Baden-Württemberg der Landsmannschaft

Nicht erst die Gründung der Landsmannschaft im Jahre 1949 bedeutete den Beginn der Beziehungen zwischen Badenern und Württembergern auf der einen und Siebenbürger Sachsen auf der anderen Seite. Deshalb bietet Balduin Herter einen Überblick über die Kontakte zwischen Südwestdeutschland und Siebenbürgen im Laufe der Geschichte (Kapitel 1).

Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen hat eine föderale Gliederungsstruktur. Die Bundesebene koordiniert und leitet von München aus die Aktivitäten der als eingetragener Verein verfassten Gemeinschaft. Die Arbeit an der Basis leisten Kreisgruppen, in Baden-Württemberg derzeit 33. Die Landesgruppe mit Sitz in Stuttgart koordiniert auf Landesebene die Aktivitäten dieser Kreisgruppen und vermittelt zwischen der Kreis- und Bundesebene. Eine weitere wichtige Aufgabe der Landesgruppe sind die Beziehungen zwischen der Landsmannschaft und den öffentlichen Stellen des Landes Baden-Württemberg.

Alfred Mrass beschreibt die Aktivitäten der Landesgruppe in den letzten 50 Jahren (Kapitel 2), ohne jedoch aus Platzgründen und angesichts der Quellenlage Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Der Autor stützt sich neben den Berichten in der "Siebenbürgischen Zeitung" auf schriftliche Informationen und mündliche Ergänzungen von folgenden Wissensträgern und Zeitzeugen: Artur Braedt, Alfred Coulin, Otto Depner, Hermine Höchsmann, Hans-Wolfram Theil, Kurt Rhein und Elsa Zimmermann. Weitere wichtige Quellen waren die Darstellungen von Siegfried Habicher, Gernot Wagner und Erna Zerelles, die vollständig auf der CD-ROM und auf der Internet-Seite der Landesgruppe publiziert werden.

Christa Andree und Heidrun Herbert fassen die Aktivitäten der Kreisgruppen (Kapitel 3), Rainer Lehni die der Jugend auf Landes- und Kreisebene zusammen (Kapitel 4). Die Darstellungen verwenden Berichte der Kreisgruppenvorsitzenden bzw. der Pressereferenten der einzelnen Kreisgruppen. Sie bieten eine repräsentative Schilderung der Aktivitäten an der Basis, wo die umfangreichste Arbeit durchgeführt wird. Auch hier sei aber darauf hingewiesen, dass eine vollständige Dokumentation der vielfältigen Arbeit von fünf Jahrzehnten nicht erbracht werden kann. Einerseits gibt es Aufgaben, die alle Kreisgruppen wahrnehmen müssen, andererseits sind der Initiative der gewählten Vertreter vor Ort kaum Grenzen gesetzt. Die Darstellungen zeigen, welche unterschiedlichen Wege in den einzelnen Gruppen eingeschlagen wurden und wie mannigfaltig die wichtigsten Aufgaben bewältigt werden. Um Wiederholungen zu vermeiden und den Umfang der Festschrift in Grenzen zu halten, wurden bevorzugt jene Aktivitäten einer Kreisgruppe aufgeführt, die es in anderen nicht oder nur zum Teil gab. Weiterhin wurde darauf geachtet, dass man zum einen in der Zusammenschau einen Überblick über alle Aufgaben der Gruppen vor Ort erhält, zum anderen das bei der Vorbereitung gewonnene Material vor dem sicheren Verschwinden rettet. Letzteres wird der Siebenbürgischen Bibliothek in Gundelsheim überreicht, sofern es nicht in der Geschäftsstelle aufbewahrt werden kann.

Die Vielfalt der Aktivitäten auf Landes- und Kreisebene ist das Ergebnis der Arbeit von unzähligen Menschen, die sich im Laufe von fünf Jahrzehnten ehrenamtlich für die Interessen der Siebenbürger Sachsen eingesetzt haben. Anhand von zwei Beispielen soll auch der menschliche Bezug vermittelt werden. Otto Depner schildert in seinem Bericht, wie er zur Landsmannschaft gekommen ist, welche Motive ihn zu einem nunmehr jahrzehntelangen Engagement bewegen und wie sich im Laufe der Zeit diese Arbeit darstellte. Richard Löw , längjähriger Vorsitzender der Landsmannschaft in Baden-Württemberg, zeigt heitere Seiten am Rande unserer Aktivitäten auf (Kapitel 5).

Neben der Landsmannschaft existiert noch eine Vielzahl von siebenbürgisch-sächsischen Institutionen und Vereinen. Kennzeichnend für alle ist, dass sie sich in der einen oder anderen Weise für unterschiedliche Aufgaben und Ziele der Siebenbürger Sachsen einsetzen. Es sind eben diese Vereine, in denen sich zahlreiche Siebenbürger Sachsen engagieren und die ein buntes Vereinsleben garantieren. Die bedeutendsten Institutionen der Siebenbürger Sachsen neben Landsmannschaft und Hilfskomitee, die beide ihren Sitz in München haben, befinden sich in Baden-Württemberg auf Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar. Es liegt nahe, diesen zentralen Organisationen ein Kapitel zu widmen (Kapitel 6).

Christian Phleps stellt den Hilfsverein "Johannes Honterus" und seinen Sitz, das Heimathaus Siebenbürgen in Gundelsheim, vor (Kapitel 6.1). Über das "Siebenbürgen-Institut" mit Siebenbürgischer Bibliothek und Archiv auf Schloss Horneck berichtet Harald Roth (Kapitel 6.2). Volker Wollmann führt uns durch das Siebenbürgische Museum in Gundelsheim (Kapitel 6.3). Die Aktivitäten des Hilfskomitees der Siebenbürger Sachsen erläutert Wieland Graeff (Kapitel 6.4).

Übersicht


Teil II: Siebenbürger Sachsen ein Porträt

Der zweite Teil des Bandes versucht ein Porträt der Siebenbürger Sachsen zu erstellen. Berücksichtigt werden dabei vor allem diejenigen Aspekte unseres kulturellen Erbes, die auch hier in der Bundesrepublik Deutschland eine Rolle spielen und in der einen oder anderen Form weiterentwickelt werden. Daher fehlt z. B. ein eigenständiger Beitrag über das Schulwesen der Siebenbürger Sachsen, das zwar in Siebenbürgen eine herausragende Stellung über Jahrhunderte einnahm, in der Bundesrepublik Deutschland aber nur noch von historischem Interesse ist, sieht man davon ab, dass es zur Herausbildung guter Fachleute in allen Arbeitsgebieten geführt hat, die über hervorragende Kenntnisse der deutschen Sprache, Geschichte und Kultur verfügen und am Auf- und Ausbau der Bundesrepublik aktiven Anteil nehmen konnten und können.

Konrad Gündisch bietet einen Überblick über die mehr als 850-jährige Geschichte der Siebenbürger Sachsen. Dabei wird die Wahrung der Eigenständigkeit trotz wechselnder Staatszugehörigkeit herausgearbeitet (Kapitel 7). Während die Siebenbürger Landler in historischen Gesamtdarstellungen oft nur nebenbei erwähnt werden, stellt Irmgard Sedler diese Gruppe von im 18. Jahrhundert wegen ihres Glaubens aus dem Salzburgischen Umgesiedelten in einem eigenen Kapitel vor (Kapitel 8). Aussiedlung, Deportation und Flucht aus der alten Heimat und Integration im Westen, vor allem in die Bundesrepublik Deutschland, brachten für die Siebenbürger Sachsen einschneidende Existenz- und Identitätskrisen mit sich. Von diesen Ereignissen ist jede einzelne siebenbürgisch-sächsische Familie betroffen und sie bilden politisch ein sehr brisantes Thema. Daher werden Aussiedlung und Integration von Johann Lauer besonders behandelt (Kapitel 9).

Waltraud Fleischer stellt die siebenbürgische Tracht (Kapitel 10), Marie Luise Schuster die siebenbürgisch-sächsischen Volkstänze vor (Kapitel 11). Unsere Mundart, das Siebenbürgisch-Sächsische, wird von Waltraut Schuller (Kapitel 12), die Mundartgedichte, Bühnenstücke u. a. in der "ersten Muttersprache" werden von Horst Schuller-Anger präsentiert und literaturgeschichtlich eingeordnet (Kapitel 13).

Während die Mundart sich über Jahrhunderte nur im privaten und familiären Bereich entwickelte, war das Hochdeutsche nach dem im Mittelalter üblichen Latein die öffentliche Sprache. Die Siebenbürger Sachsen sind aufgrund ihrer 1547 veröffentlichten "Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen" evangelisch-lutherisch Augsburgischen Bekenntnisses (A. B.). Die evangelische Kirche trug entscheidend zur Etablierung des Hochdeutschen als öffentliche Sprache bei, vor allem weil sie im Laufe der Jahrhunderte einen bestimmenden Einfluss auf das in jedem Dorf verbreitete Schulwesen ausübte (1722 Einführung der allgemeinen Schulpflicht, in Deutschland wurde sie flächendeckend erst durch das Reichsvolksschulgesetz vom 14. Mai 1869 eingeführt). Weiterhin gab es über die Jahrhunderte einen intensiven Kontakt zum deutschsprachigen Raum, der nur während der kommunistischen Zeit, 1945 bis 1989, sehr eingeschränkt wurde. Daher ist es nicht erstaunlich, dass nicht nur die deutsche Literatur in Siebenbürgen rezipiert wurde, sondern dass auch in Siebenbürgen bedeutende Werke entstanden, die im ganzen deutschsprachigen Raum Anerkennung finden. Siegfried Habicher beschreibt die Entwicklung bis 1919 und konzentriert sich dabei auf das deutschsprachige Theater und die Bühnenliteratur (Kapitel 14). Peter Motzan zeigt "die vielen Wege in den Abschied" und erläutert vor allem die siebenbürgisch-deutsche Literatur von 1919 bis 1989 (Kapitel 15).

Karin Bertalan widmet sich dem Kunstgeschehen in Siebenbürgen und präsentiert die Arbeit von siebenbürgisch-sächsischen Künstlern, die in Baden-Württemberg leben und arbeiten (Kapitel 16), Karl Teutsch tut dies für das Gebiet der Musik, wobei auch die Wechselwirkungen im musischen Bereich zwischen Siebenbürgen und Deutschland, aber auch mit den Nachbarn und Mitbürgern in Siebenbürgen über die Jahrhunderte erläutert werden (Kapitel 17). Die Leistungen von Naturwissenschaft und Technik werden allzu oft vernachlässigt. Hans Barth gewährt Einblick in diesen Bereich unter besonderer Berücksichtigung von Hermann Oberth, dem Vater der Weltraumfahrt (Kapitel 18).


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Teil III: Perspektiven für das 21. Jahrhundert

Nichts ist beständiger als ein Provisorium. Nicht nur das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, dessen 50-jähriges Bestehen ebenfalls in diesem Jahr gefeiert wird, belegt diese Behauptung eindrucksvoll. Viele Siebenbürger Sachsen sind der Meinung, dass nach fast vollständig erfolgter Aussiedlung aus Siebenbürgen und geglückter Integration in Deutschland die Existenzberechtigung der Landsmannschaft verloren gegangen sei. Einiges spricht dafür, dass die Landsmannschaft, vielleicht unter anderem Namen, auch in Zukunft ein Forum sein wird, in dem Menschen miteinander und füreinander arbeiten werden.

Während man anstehende Aufgaben mit viel Einsatz angeht, werden Diskussionen über die zukünftigen kaum geführt. Dies ist im Wesentlichen auf zwei Gründe zurückzuführen: Zum einen ist der Umfang der Aufgaben, die mit wenigen Ausnahmen ehrenamtlich erledigt werden, enorm (in Baden-Württemberg sind bei der Geschäftsstelle gerade anderthalb Kräfte hauptberuflich beschäftigt), und von den aktiven Mitgliedern oft nur unter erheblichem Einsatz überhaupt zu bewältigen; zum anderen wirkt die Diskussion über ein "finis Saxoniae" (Ende der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft) kontraproduktiv, so interessant sie auch im Einzelnen sein mag. Diese Diskussion tauchte im Zusammenhang mit den Reformen Josephs II. in den 80er Jahren des 18. Jh. zum ersten Mal auf und wurde seither unter jeweils anderen Bedingungen und Vorzeichen besonders intensiv vor und nach dem Zweiten Weltkrieg geführt. Dass sie jetzt, nach fast vollständiger Aussiedlung aus Siebenbürgen, neu auflebt, war zu erwarten.

Der Blick über den Atlantik, in die USA und nach Kanada, zeigt, dass auch noch Generationen, die in der neuen Heimat geboren sind, an einer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft Interesse bekunden. Allein der zwar in den letzten Jahren eher geringe Mitgliederzuwachs, in anderen Vereinen gehen hingegen die Mitgliedszahlen erheblich zurück, macht deutlich, dass nach wie vor ein Interesse vorhanden ist. Anfang 1999 gab es 12.737 Mitglieder allein in Baden-Württemberg. Die Zahl der Personen, die die Ansiedlung im 12. Jahrhundert in Siebenbürgen begründeten, wird auf ca. 2600 geschätzt. Über Jahrhunderte lebten die Siebenbürger Sachsen zudem in drei räumlich voneinander getrennten Siedlungsgebieten: Altland, Burzenland und Nösnerland. Die Siedler waren unterschiedlicher regionaler und ethnischer Herkunft (vgl. Kapitel 7). Trotzdem konnte in Siebenbürgen eine Gruppe mit eigenem Identitätsbewusstsein und eigener Kultur zusammenwachsen. Zusammengehalten wurde die Gemeinschaft durch gemeinsame Interessen. Mittlerweile sind aufgrund von modernen Verkehrs-, insbesondere aber Kommunikationsmitteln gemeinsame Interessen wichtiger als Raum und Zeit. Das gemeinsame Siedlungsgebiet wird durch gemeinsame Kommunikationsräume ersetzt (vgl. Kapitel 23). Die Globalisierung trägt zur Etablierung multikultureller Gesellschaften wie die in Siebenbürgen bei, wo einen mit seinem Nachbarn anderer Kultur, Nationalität oder Religion oft weniger verband als mit Menschen gleicher Kultur, Nationalität oder Religion, zu denen kein persönlicher Kontakt besteht.

Eine Namensänderung, die schon beim letzten Verbandstag 1995 an einer knappen Mehrheit der Ablehnenden scheiterte, steht beim Verbandstag im Oktober 1999 wieder zur Debatte. Dies kann aber nur der Anfang sein. Eine umfassende und breit angelegte Diskussion über die Zukunft unserer Gemeinschaft ist mittlerweile dringender denn je. Der dritte Teil dieses Bandes will dazu einen Beitrag leisten.

Rainer Lehni wirft einen Blick auf mögliche Aufgaben und Ziele für die Jugendarbeit (Kapitel 19). Christa Andree macht sich Gedanken über die zukünftige Frauenarbeit (Kapitel 20) und Johann Schuster über die Kulturarbeit (Kapitel 21).

Michael Konnerth zeigt, wie wichtig Vereinshäuser sind bzw. sein können. Weiterhin erläutert er, wie solche Einrichtungen aufgebaut und unterhalten werden können (Kapitel 22). Nachdem für die Siebenbürger Sachsen ein gemeinsames Siedlungsgebiet für immer der Vergangenheit angehört, erläutert Johann Lauer, wie man die neuen Kommunikationsmöglichkeiten am Beispiel des Internet für die Schaffung von gemeinsamen Kommunikationsräumen nutzen kann (Kapitel 23).

Damit sind bei weitem noch nicht alle Bereiche angesprochen, die eine breit angelegte Diskussion bestimmen sollten. Welche Rolle kann die Landsmannschaft bei der Integration Rumäniens in die Europäische Union spielen? Wie soll die weltweite Arbeit der Föderation der Siebenbürger Sachsen (Deutschland, Kanada, Rumänien, Österreich und USA) koordiniert werden? Welche sozialen Aufgaben sollten in Zukunft wahrgenommen werden angesichts der Erkenntnis, dass Solidarität ein grundlegendes Element unserer Identität ist? Wie kann das kulturelle Erbe nicht nur gesichert, d.h. museal konserviert, sondern auch weiterentwickelt werden?

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Teil IV: Anhang

Die Festschrift ist, wie bereits erwähnt, trimedial angelegt: Buch, CD-ROM und Internet-Auftritt. Kein Medium wird das andere verdrängen, daher ist es wichtig, die Nachteile des einen durch die Vorteile des anderen Mediums auszugleichen. Druckmedien, vor allem das Buch, haben ihre Nachteile in Vorteile umgewandelt, die langen Produktionszeiten und -kosten haben dank strenger Auswahl der Autoren, aufmerksamem Lektorat und, bei anspruchsvollen Verlagen, auch Begutachtung eine hohe Qualität gesichert. Die CD-ROM ist den anderen Medien überlegen, wenn es darum geht, große Mengen an Informationen zu speichern und zu verwalten. Das Internet besticht durch die Aufhebung von Raum und Zeit, auch dadurch, dass die Daten schnell verschickt und, sofern diese online publiziert werden, auch immer erreichbar sind. Die Interaktivität ist ein weiteres hervorstechendes Merkmal. Das Internet ist aber auch gekennzeichnet durch flüchtige Informationen.

Robert Sonnleitner beschreibt, wie die beiliegende CD-ROM zu nutzen ist, und stellt den Internet-Auftritt vor (Kapitel 24). Michael Konnerth hat die Zusammensetzung der Vorstände der Kreisgruppen (Kapitel 25), Alfred Mrass Daten und Fakten der Landesgruppe von 1949 bis 1999 erstellt (Kapitel 26). Der Anhang wird von Elsa Sill durch eine Adressenliste von siebenbürgisch-sächsischen Vereinen ergänzt (Kapitel 27).

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Tradition und Fortschritt verbinden

"Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt" (Dante). Die Siebenbürger Sachsen und die siebenbürgisch-sächsischen Institutionen haben sich immer als Vorreiter verstanden, so wie sich Baden-Württemberg als Modell für Deutschland Musterländle begreift. Auch die Landesgruppe Baden-Württemberg möchte dies im Rahmen der Landsmannschaft sein. Sowohl die Kreis- als auch die Landesebene der Landsmannschaft in Baden-Württemberg haben versucht, wie in den Kapiteln zwei bis vier nachzulesen ist, diesem Anspruch gerecht zu werden. Am 4. April 1998 wurde in der Landesgruppe Baden-Württemberg ein neuer Vorstand gewählt. Alle möchten dazu beitragen, dass dieses Niveau auch weiterhin erhalten werden kann. Allein dies ist schon eine große Herausforderung. Der Landesvorsitzende, Alfred Mrass, hat unterschiedliche Aktionen angeregt, damit auch in Zukunft die Mitgliederzahl steigt. Als einzige Landesgruppe hat Baden-Württemberg eine Festschrift verfasst. Zudem könnte diese auch Anregungen für eine Festschrift auf Bundesebene enthalten, die zur Zeit in Bearbeitung ist. Weiterhin steht eine Reihe von neuen, zukunftsweisenden Vorhaben auf der Tagesordnung.

Aufgrund jahrelangen Engagements von Klaus Danielis, Michael Konnerth und der Kreisgruppe Göppingen wurde praktisch widerlegt, was viele derzeit theoretisch für unmöglich halten: die Gründung von Vereinsheimen in Deutschland. Dass solche Vorhaben möglich sind, zeigen auch die Institutionen in Gundelsheim. Diese wurden zu einer Zeit gegründet, als wesentlich weniger Siebenbürger Sachsen in Deutschland waren. Aber auch weitere Kreisgruppen Nürtingen, Rastatt, Sachsenheim unterhalten Heimatstuben, wobei in diesen Räumen auch andere Aktivitäten stattfinden. Auch hier ist ein Blick in die USA und Kanada hilfreich, da Landsleute vor allem dort die meisten Aktivitäten entfalten, wo es Club-Häuser gibt. Die Landesgruppe ist bereit, ähnliche Projekte in den Kreisgruppen zu unterstützen (vgl. Kapitel 22).

Die Geschäftsstelle in Stuttgart ist seit Herbst 1998 mit den neuesten Bürokommunikationsmitteln ausgestattet, inklusive Internet-Zugang. Der Internet-Auftritt soll weiterentwickelt werden und die Grundlage für eine zukünftig bessere und effizientere Kommunikation sowie Öffentlichkeitsarbeit bieten. Vor allem an die Homepage im Internet ist die Erwartung geknüpft, dass weitere Interessenten für ein ehrenamtliches Engagement gefunden werden und eine Diskussion über zukünftige Aufgaben und Ziele erfolgt. Dadurch, dass die Festschrift trimedial angelegt wurde, soll ein praktisches Beispiel gegeben werden, wie zukünftige Arbeit erfolgen kann bzw. welche Möglichkeiten bestehen.

Staat und Markt können weder für sich alleine noch gemeinsam alle Aufgaben adäquat lösen. Es zeigt sich immer deutlicher, wie wichtig ein sogenannter "dritter Sektor" ist, der hauptsächlich auf dem Ehrenamt basiert, ob er nun als Lebenswelt, zivile Gesellschaft oder anders bezeichnet wird. Die Aufgaben der Vereine und Verbände, in denen Millionen Menschen Mitglieder sind und sich ehrenamtlich einsetzen, werden auch in Zukunft neben Markt und Staat selbstverständlich, z. T. unter partiellen Verschiebungen der Aufgabenbereiche, bestehen. Die Monetarisierung und Verrechtlichung der zwischenmenschlichen Beziehungen stößt immer deutlicher an ihre Grenzen. Geld und Recht können ehrenamtliches Engagement nicht ersetzen. Die Gründung einer mittlerweile nicht mehr überschaubaren Anzahl an Nichtregierungsorganisationen (NGO) in den letzten Jahrzehnten belegt eindeutig, dass das Ehrenamt keineswegs verschwindet, im Gegenteil: Neue Aufgabenbereiche wurden erschlossen und verlangen geradezu ehrenamtliches Engagement.

"Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen ist ein ideeller Verein zum Zweck der Förderung der Fürsorge für die Siebenbürger Sachsen und ihrer kulturellen und sozialen Belange" (§ 2.1 der Satzung). Die Aussiedlung aus Siebenbürgen ist fast abgeschlossen, die Integration in Deutschland auf gutem Wege, damit haben sich aber die wichtigsten gesellschaftspolitischen Bedingungen, unter denen die Landsmannschaft handelte, verändert. Trotzdem bedarf es keiner Änderung der Zielsetzung, sondern nur einer Ergänzung. Die Landsmannschaft sollte das Motto der eigenen Nachwuchsorganisation, der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), übernehmen (vgl. Kapitel 19): "Tradition ist bewahrter Fortschritt, Fortschritt ist weitergeführte Tradition" (Carl Friedrich von Weizsäcker). In einer sich so schnell verändernden Welt sollte eine ständige Grundsatzkommission bestehen, die die neuen Entwicklungen mit den eigenen Traditionen verbindet. Entsprechend den neuen Verhältnissen sollte sie Handlungsstrategien erarbeiten und neue Projekte initiieren. Die Aufgaben, Handlungsstrategien und Projekte werden sich ändern, aber auch in Zukunft bedarf es siebenbürgisch-sächsischer Organisationen, die kulturelle, politische sowie soziale Ziele und Aufgaben für die Siebenbürger Sachsen eigenständig formulieren und umsetzen. Die Schaffung neuer, gemeinsamer Kommunikationsräume wird, nachdem die Siebenbürger Sachsen nun in der Verstreuung leben, eine der wichtigsten Aufgaben werden. Nur so können in Zukunft die Ziele erreicht, d. h. das siebenbürgisch-sächsische Erbe weiterentwickelt und die politischen und sozialen Aufgaben erfüllt werden (vgl. Kapitel 23). Die 50-Jahr-Feier sollte nicht nur Anlass sein, Bilanz zu ziehen, sondern der Beginn einer breit angelegten, zukunftsorientierten Diskussion.

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