(Wappen) Siebenbuerger Sachsen in Baden-Württemberg (Wappen)
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6.4 Das Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und der evangelischen Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD.

Wieland Graef

6.4.1 50 Jahre Seelsorge, Eingliederungsarbeit und Begleitung
6.4.2 Die kirchliche Beheimatung
6.4.3 Gottesdienste
6.4.4 Begleitung der Heimatortsgemeinschaften
6.4.5 Kirchentage
6.4.6 Siebenbürgische Kantorei
6.4.7 Publikationen
6.4.8 Rüstzeiten, Seminare, Tagungen
6.4.9 Kontakte zu Kirchenleitungen
6.4.10 Kontakt zur Heimatkirche

50 Jahre Seelsorge, Eingliederungsarbeit und Begleitung der Heimatkirche in Rumänien

Zur Entstehungsgeschichte des Hilfskomitees verweise ich auf Balduin Herters Artikel "Baden, Württemberg und die Siebenbürger Sachsen" in diesem Buch.

Rückblickend auf die ersten Jahrzehnte der Aktivitäten des Hilfskomitees seit seiner Gründungsversammlung am 6.2.1947 in München sind folgende Gesichtspunkte festzuhalten:

1. Das Hilfskomitee ist hervorgegangen aus einem zunächst losen Zusammenschluss einzelner sehr engagierter Leute, die – von Kriegs-, Gefangenschafts-, Fluchts- und Familientrennungserfahrungen geprägt – einen neuen Standort suchten, der ihrer ursprünglichen siebenbürgischen Identität entsprach. Die in Siebenbürgen gewachsene, überschaubare Gemeinschaft, ihr Geschichts- und Glaubensverständnis brachten diese Leute ein in die verworrene Nachkriegssituation in Deutschland und Österreich. Sie wurden – zunächst wohl unbewusst – zu einem kleinen Baustein der neu entstehenden Gesellschaft der Nachkriegszeit in Deutschland und Österreich, einer Gesellschaft, die Einheimische und Flüchtlinge gleichermaßen einschloss und einander zuzuordnen die Aufgabe hatte. Die nach und nach wachsende Institutionalisierung des Hilfskomitees unter dem Dach des "Hilfswerks" der evangelischen Kirche in Deutschland und späteren "Diakonischen Werks der EKD" führte zu Untergliederungen in der gesamten Bundesrepublik. Die Anmerkung scheint mir nicht überzogen, dass auf diese Weise das Hilfskomitee unspektakulär und multiplikativ eine erhebliche Wirkung auf die Beheimatung und Eingliederung der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Österreich hatte.

2. Das Hilfskomitee ist scherzhaft ausgedrückt die "Mutter" der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen. Es entspricht dem Geschichtsverhältnis der Siebenbürger Sachsen, dass Kirche und Politik zusammen gesehen werden, mit anderen Worten die Kirche nahm in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg politische Verantwortung in Siebenbürgen wahr, mit Einschränkungen sogar in der spannungsreichen Zeit des Nationalsozialismus. Dieses Bewusstsein hat auch die Ära kommunistischer Politik in Rumänien überdauert, allerdings ohne sichtbare Verantwortungsstrukturen, abgesehen von der Mitgliedschaft des Bischofs in der Großen Nationalversammlung. Aber in verinnerlichter Weise wussten sich die Siebenbürger Sachsen von ihrer evangelisch-lutherischen Kirche A. B. getragen und vertreten.

Das ist der Grund, weswegen das Hilfskomitee zunächst mit aller Selbstverständlichkeit alle Lebensbelange – also auch die politischen – verantwortete und den in Deutschland sich sammelnden Landsleuten die Erfahrung der alten Heimat hier in der neuen Heimat vermittelte. Aus den Reihen der Verantwortungsträger im Hilfskomitee fanden sich jene Funktionäre, die am 11.2.1950 die Leitung der neu gegründeten Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen übernahmen. Der Schriftsteller Reimesch hatte vorübergehend den Vorsitz beider Institutionen inne.

Am Rande sei vermerkt: Es gibt zu denken, dass Anfang der 90er Jahre, als die Satzung der Landsmannschaft novelliert wurde, eine heftige Diskussion um die Frage entbrannte, ob in der Präambel der Landsmannschaftssatzung das Identitätskriterium "evangelisch", einem Antrag des Hilfskomiteevorstandes entsprechend, aufgenommen werden sollte oder nicht. Es _bedurfte im Plenum der beschließenden Delegiertenversammlung eines deutlichen Wortes des Repräsentanten der Heimatkirche, des damaligen Kronstädter Dechanten Hans Orendi, um das seither selbstverständliche Glaubensmerkmal "evangelisch" in der Präambel festzuschreiben.

3. Hilfskomitee und Landsmannschaft setzen je eigene Schwerpunkte ihrer Tätigkeiten, wobei sie als einander ergänzende Verbände verstanden werden. Etwas verkürzt lässt sich sagen, dass die Landsmannschaft die politische Verantwortung für die Landsleute übernimmt, während das Hilfskomitee sich als Träger und Exponent der geistlich-kirchlichen Werte versteht und sich damit einerseits der seelsorgerischen Begleitung der Landsleute verpflichtet weiß, andererseits Rahmenbedingungen herbeizuführen versucht, die die inneren Verletzungen durch das Kriegsgeschehen, die ideologischen Spannungen, die der Nationalsozialismus mit sich gebracht hatte aufzuarbeiten helfen konnten. Gottesdienste, Rüstzeiten, Seminare, Gesprächsabende, Vortragstätigkeit gehören somit zum "Programm" des Hilfskomitees. Zu Anfang der 50er Jahre war das Zusammenwirken der beiden Verbände relativ problemlos. Bezeichnend ein Heinrich Zillich zugeschriebener Ausspruch: "Das Hilfskomitee ist das Gewissen der Landsmannschaft."

In der Folgezeit, d. h. ab den 60er Jahren, kam es zunehmend zu divergierenden Standpunkten zwischen Landsmannschaft und Hilfskomitee. Das hing – typisch für überschaubare Gemeinschaften, in denen jeder jeden kennt – sowohl mit einzelnen Personen des Landsmannschaftsvorstandes und des Hilfskomiteevorstandes zusammen als auch mit der Tatsache, dass mehr und mehr Siebenbürger Sachsen aussiedelten. Die Landsmannschaft nahm das Alleinvertretungsrecht für die Siebenbürger Sachsen in Anspruch und trat politisch für die Gesamtaussiedlung ein, während das Hilfskomitee im Sinne der Haltung von Bischof Friedrich Müller Lebens- und Geschichtsperspektiven der Landsleute in Siebenbürgen betonte: "Gott hat hier etwas mit uns vor." Persönlich ist mir noch ein Satz von Bischof F. Müller in Erinnerung, der seinerzeit (es mag wohl das Jahr 1960 gewesen sein) heftige Diskussionen unter den Studenten der Theologie in Hermannstadt ausgelöst hatte: "Aussiedlung ist Verrat an Christus." Ich will diesen Satz nicht unter theologischen Gesichtspunkten kommentieren. Er steht jedoch ursächlich für ein Auseinanderdriften des Existenz- und Zukunftsverständnisses von Hilfskomitee- und Landsmannschaftsleitung. Etwas verkürzt könnte man sagen: Das Hilfskomitee nahm Lebensverständnis und Geschichte der Landsleute unter einem geistlichen Horizont wahr – sub specie _aeternitatis –, die Landsmannschaft unter pragmatisch-materiellen Gesichtspunkten, wobei kirchliche Aktivitäten – etwa als Traditionsrahmen landsmannschaftlicher Veranstaltungen – durchaus erwünscht waren. Die Erkenntnis, dass beide Standpunkte ihre je eigene Legitimität haben und diese Spaltung, bewusst oder unbewusst, durch das Herz jedes einzelnen Siebenbürger Sachsen ging, führte damals nicht zum besonnenen, reflektierenden und eigentlich selbstverständlichen Gespräch, sondern zu Verhärtungen, die ihren negativen Höhepunkt darin fanden, dass zu dem Zeitpunkt, als das Hilfskomitee neue Vereinsstrukturen überlegte, einige Mitglieder des damaligen Landsmannschaftsvorstandes mit ihrem Vorsitzenden heimlich bei der zuständigen Behörde in München einen aus den gesetzlich erforderlichen sieben Personen bestehenden "Hilfskomiteeverein der Siebenbürger Sachsen e. V." anmeldeten. Die verständlichen Proteste der Mitglieder des amtierenden Hilfskomiteevorstandes führten in der Folge zur Annullierung dieser heimlichen Vereinsgründung. Die ideologische Reduzierung siebenbürgischer Existenz auf die Frage "Bleiben oder gehen?" konnte und kann nicht zu einer sachlichen Erörterung der Zukunftsfähigkeit der Siebenbürger Sachsen, in welcher Form auch immer das geschehen mag, führen. Die verständliche Emotionalität der Diskussion ließ andere Aspekte, die den Trend unterschiedlicher Ausrichtungen zwischen Hilfskomitee und Landsmannschaft mitverursacht haben, gar nicht erst zu. Da ist z. B. das Generationenproblem. Die Verantwortungsträger in Landsmannschaft und Hilfskomitee gehörten in der Gründungszeit der Kriegsgeneration an. Die begeisterte Befürwortung oder aber die bewusste und vehemente Ablehnung des Nationalsozialismus hatte diese Generation geprägt. Ihre ablehnende oder aber zustimmende Betroffenheit ist bis heutigentags nicht bewältigt, geschweige denn aufgearbeitet. Die nachkommende Generation ist innerlich national nicht vereinnahmt, das mögen Siebenbürger bedauern oder begrüßen, sie hat hingegen die Problematik kommunistischer Ideologisierung mit all ihren Schattierungen bis ins kirchliche Gemeindeleben hinein durchgemacht. Sie ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in der inneren Opposition gegenüber einem kommunistischen Staats- bzw. Lebensverständnis programmiert.

Eine weiter Ursache unterschiedlicher Beurteilung der Lebensperspektiven der siebenbürgischen Gemeinschaft ist der soziologische Wandel Siebenbürgens von der Agrar- zur Industriegesellschaft, der in den 50er Jahren einsetzte. Er führte zur Landflucht und damit zur Schwächung, z. T. auch Auflösung der nachbarschaftlichen Strukturen. Die neue Gemeindemitgliedschaft im städtischen Wohnbereich wurde innerlich kaum vollzogen, sodass ein Entwurzelungsprozess in Gang kam. Er betraf zum einen das seither selbstverständliche Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen für die Gemeinschaft in allen Lebenslagen, wie Gastlichkeit, Arbeitseinsätze an kirchlichen Gebäuden, Mitarbeit bei Hochzeiten, beim Hausbau der Nachbarn, Anwesenheitsverpflichtung bei Beerdigungen usw. Zum anderen _litt die bewusste Einbindung in die evangelisch-lutherische Gemeinschaft durch diesen unvermeidbaren soziologischen Wandel. Bischof Albert Klein hatte die Ortskirchengemeinde in Siebenbürgen einmal als Lebenskorsett der Siebenbürger Sachsen bezeichnet. Dieses Lebenskorsett drohte verloren zu gehen, insbesondere mit der Aussiedlung.

Das Hilfskomitee sah angesichts der steigenden Aussiedlerzahlen ab den 70er Jahren als seine besondere Aufgabe, den Siebenbürger Sachsen eine geistliche Standortbestimmung zu vermitteln. Es ergaben sich Aufgabenschwerpunkte, die auch in der neu zu erarbeitenden Satzung formuliert wurden. Die neue Satzung, die dem Hilfskomitee den Status eines eingetragenen Vereins gab, wurde am 8.11.1987 auf der Jahresversammlung des Hilfskomitees in Mannheim verabschiedet. Damit sind nicht mehr automatisch alle Siebenbürger Sachsen Mitglieder, sondern nur diejenigen, die sich zur Mitgliedschaft anmelden, den Hilfskomiteeverein mit einem Jahresbeitrag unterstützen und seine Ziele aktiv mitverantworten. Die neue Satzung schrieb die im Folgenden benannten Aufgabengebiete fest:

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Die kirchliche Beheimatung der Siebenbürger Sachsen und der evangelischen Banater Schwaben

Dabei ging und geht es nicht um einen automatischen Wechsel aus den Strukturen der Heimatkirche in die landeskirchlichen Strukturen im Bereich der evangelischen Kirche in Deutschland, also keine Preisgabe des mitgebrachten evangelisch-lutherischen unsichtbaren Gepäcks, so wie es im siebenbürgischen kirchlichen Brauchtum, in den Gottesdienstformen – denken wir z. B. an die Versöhnungsfeier vor dem Abendmahlsgang – und im patriarchalischen Kirchenverständnis an die respektvollen Anreden für die kirchlichen Würdenträger. Nein, es geht weder um Abschottung und Enklavenbildung noch um eine Selbstaufgabe dessen, was man Gruppenidentität nennen mag. Das Hilfskomitee hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten Brückenbaufunktionen wahrgenommen und zwar in zweierlei Richtung: Zum einen mussten die evangelischen Landeskirchen im Bereich der EKD mit ihren je eigenen theologischen und strukturellen Eigenheiten den ausgesiedelten Landsleuten lieb gemacht werden. Es musste erläutert werden, weswegen es beispielsweise in Württemberg eine nur "magere" Gottesdienstliturgie gibt, dass die Liberalität der Verkündigung auch vordergründig "politische" Predigten erlaubt, dass Pfarrerinnen und Pfarrer relativ salopp gekleidet sein können, ohne dass damit ihrem Dienst Abbruch getan wird, dass die Gotteshäuser nicht dem Charakter einer Kirchenburg entsprechen, sondern die unterschiedlichsten Baustile aufweisen dürfen, dass das Verhältnis zwischen Pfarrer und dem einzelnen Gemeindeglied nicht die Nähe aufweisen kann wie in Siebenbürgen, weil die Größe der zu betreuenden Seelenzahl eine gewisse Anonymität erforderlich macht usw. Zum anderen musste die einheimische Bevölkerung über Geschicke und Geschichte der Ausgesiedelten informiert werden; und das nicht in einer gekränkt-aggressiven Form, weil Siebenbürgen mit dem Siebengebirge, weil der siebenbürgisch-sächsische Dialekt mit Rumänisch und der politische Status des Aussiedlers mit dem des Ausländers oder Asylbewerbers verwechselt wurden. Das Hilfskomitee hat in unspektakulärer Weise eine Menge dazu beigetragen, dass Bewusstseinsbildung in entsprechender Form bei Einheimischen und Ausgesiedelten geschehen ist. Ihm ist es mit zu verdanken, dass keine eigene siebenbürgische Freikirche entstanden ist, ein Wunsch, der immer wieder erwogen worden ist. Anders als bei den Russlanddeutschen, die vielerorts eigene, autonome Gemeinden gegründet haben, ist die Anbindung der Siebenbürger Sachsen an die evangelische Landeskirche solcherweise gelungen, dass sie z. T. aktive Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihrer Ortskirchengemeinde sind.

Die mannigfaltigen Aktivitäten des Hilfskomitees mit der Zielsetzung der kirchlichen Beheimatung und der seelsorgerlichen Begleitung im schwierigen Stadium der Selbstfindung nach der Aussiedlung können hier nur stichwortartig erwähnt werden:

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Gottesdienste

Unzählige Gottesdienste wurden auf Anregung des Hilfskomitees vorbereitet. Eine Gottesdienstordnung nach dem Vorbild der heimatlichen Liturgie wurde publiziert, um bei Anlässen wie Erntedank, Advent, Weihnachten, Reformationsfest, Treffen von Heimatortsgemeinschaften und ortsgemeindlichen Festen, die der Begegnung Einheimischer mit Aussiedlern dienten, die gottesdienstliche Gestaltung zu erleichtern. Die großen Gottesdienste gelegentlich der Heimattreffen an Pfingsten in Dinkelsbühl werden ebenfalls vom Hilfskomitee verantwortet.

Begleitung der Heimatortsgemeinschaften

Auf Initiative des Hilfskomitees wurden Anfang der 80er Jahre Vertreter der sich in Heimatortsgemeinschaften allmählich sammelnden Landsleute eingeladen, um Grundsätze einer verbindlichen Struktur der Heimatortsgemeinschaften zu diskutieren. Dabei ging es über den Geselligkeitscharakter der Treffen hinaus um die Frage der Verantwortlichkeit für die in der Heimat verbliebenen kirchlichen Gebäude, die Dokumentation der Kunstsachwerte, die diakonische Hilfe für die im Ort verbliebenen Alten und Kranken, den Erhalt der unveräußerlichen geistigen und geistlichen Werte, Gestaltung und Druck von Heimatortsbüchern u.a.m. Zwischenzeitlich haben einzelne Heimatortsgemeinschaften und auch der entstandene Verband aller Heimatortsgemeinschaften eine Eigendynamik entwickelt, sodass ihre Arbeitsschwerpunkte in unterschiedlicher Weise gesetzt werden. An dieser Stelle sei nicht vergessen, dass die großen, vorbereitenden Tagungen zur Strukturierung der Heimatortsgemeinschaften vom Diakonischen Werk der EKD, von der Aussiedlerarbeit der EKD, vom Diakonischen Werk Württemberg und aus Mitteln des Innenministeriums für Eingliederungsmaßnahmen bezuschusst worden sind.

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Kirchentage

Hier sind sowohl die alle zwei Jahre stattfindenden "Siebenbürgisch-Sächsischen Kirchentage" zu nennen als auch die Mitwirkung beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Sie dienen jeweils der Besinnung und Aktivierung der geistlichen Werte, der Bewältigung und Aufarbeitung des äußeren und inneren Wandels, der mit den Nachkriegsjahren und der Aussiedlung einherging, der intensiven Bibelarbeit und der Gemeinschaft im Gottesdienst, aber auch dem Gespräch zwischen Aussiedlern und Einheimischen und dem Informationsaustausch mit dem Ziel des Zusammenrückens von Christen unterschiedlicher Prägung.

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Siebenbürgische Kantorei

Sie wurde vor über zehn Jahren gegründet, hervorgegangen aus der Rüstzeitarbeit des Hilfskomitees, und hat es sich zur Aufgabe gemacht über die Erarbeitung und Präsentation des siebenbürgischen Volksliedguts hinaus, klassische Werke siebenbürgischer Komponisten – vor allem der Kirchenmusik – zur Aufführung zu bringen und der Nachwelt zu erhalten. Durch Konzerte, Gestaltung von Gottesdiensten, Mitwirkung bei großen Veranstaltungen, die in Planung befindliche Herstellung einer CD wird die Tradition der großen städtischen Bachchöre Siebenbürgens auch in der neuen Heimat fortgeführt und bringt nicht nur den Landsleuten das Gespür für existenzielle christliche Grundwahrheiten im Werk der Komponisten nahe, sondern macht deutlich, dass die Siebenbürger mit einem reichen unsichtbaren Gepäck in die neue Heimat kommen und damit Bausteine für ein Zusammensein des Gebens und Nehmens zwischen Einheimischen und Ausgesiedelten im Haus Europa darstellen. Es sind zwischenzeitlich über 100 Veranstaltungen, die die Kantorei durchgeführt bzw. mitveranstaltet hat. Die mitwirkenden Sängerinnen und Sänger treffen sich ca. dreimal jährlich zu intensiver Chorarbeit und geben viel Zeit, Kraft und Geld in diese Arbeit.

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Publikationen

In der Nachkriegszeit zunächst als Brief an Landsleute herausgegeben und später unter dem Namen "Licht der Heimat" jahrzehntelang von Hans Philippi redigiert und der "Siebenbürgischen Zeitung" beigelegt, hatte dieses Organ des Hilfskomitees zum Ziel, Landsleute geistlich zu stärken, zu trösten und zu orientieren. Dies geschah vor allem im Verkündigungsteil durch Predigten und Meditationen aus der Heimatkirche, aus dem neuen kirchlichen Einzugsbereich der Ausgesiedelten und aus dem Bereich der Ökumene und erleichterte den Landsleuten das Einleben im neuen Umfeld und weckte das Verständnis für Ungewohntes in den Kirchengemeinden, in denen sie Heimat fanden. Als sich 1983 ein Generationenwechsel im Hilfskomiteevorstand vollzog, kam es nach eingehender Diskussion auch zu einer Änderung des Logos und des Namens des in der Regel monatlich erscheinenden Organs. Der Name "Kirche und Heimat" schien im Hinblick auf die veränderten Gegebenheiten angemessener und bei der Vieldeutigkeit der beiden Begriffe "Kirche" und "Heimat" lebendiger und aktueller. Einen breiten Raum nahmen in der Folgezeit die Nachrichten aus der Heimatkirche, der Blick über den Horizont spezifisch siebenbürgischer Glaubens- und Kirchenfragen hinaus in die Ökumene hinein und das gewachsene Veranstaltungsprogramm des Hilfskomitees ein.

Der "Siebenbürgisch-sächsische Hauskalender" mit dem Untertitel "Jahrbuch" wurde jahrzehntelang ebenfalls von Hans Philippi im Auftrag des Hilfskomitees herausgegeben und enthielt das Kalendarium des jeweiligen Jahres, Andacht- und Predigtteile, Geschichtliches, Anekdotisches, Berichte aus der Heimatkirche und von kirchlichen Veranstaltungen u.a.m. Gesicht und Inhaltsschwerpunkte dieser Jahrespublikation haben sich in den letzten Jahren unter den Redakteuren Prof. Ludwig Binder, Pfarrer Wieland Graef und Pfarrer Kurt Franchy, dem derzeitigen Vorsitzenden des Hilfskomitees, verändert.

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Rüstzeiten, Seminare, Tagungen

Ein enormer Aufwand an Zeit, Phantasie und Energie war für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich, um die in den vergangenen 30 Jahren durchgeführten Rüstzeiten, Seminare und Tagungen zu konzipieren, thematisch zu planen, Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen und schließlich zu leiten. Gehen wir von durchschnittlich rund 15 Veranstaltungen dieser Art im Jahr aus, ergeben sich sage und schreibe 450 Maßnahmen, die in der Verantwortung des Hilfskomitees bzw. unter seiner Mitwirkung stattgefunden haben. Sie waren unter anderem themenorientiert und nahmen die Probleme im Zusammenhang der Aussiedlung auf. Identitätsfragen, das gewandelte Rollenverständnis von Mann und Frau, der Wechsel von Erziehungsmethoden, die sprachliche Assimilation, der demokratische Freiheitsbegriff im Unterschied zu den Erfahrungen im Kommunismus, die Möglichkeiten der Wahrung religiöser Werte, des Kunsthandwerks, die Eingliederung in die kirchlichen und politischen Strukturen, Informationen über hiesige Schulsysteme und Möglichkeiten beruflicher Integration, die Last oder Kraft überkommenen Geschichtsverständnisses usw. Solche und andere Themen kamen zur Sprache. Besonders interessant waren die zielgruppenorientierten Maßnahmen. Zu erinnern ist hier etwa an die gemeinsamen Treffen von Lehrern und Pfarrern, eine in den letzten 40 Jahren unmögliche Personenzusammensetzung in der alten Heimat. An dieser Stelle ist in großer Dankbarkeit festzuhalten, dass ein Großteil dieser "Eingliederungsmaßnahmen" vom Bund und dem Land Baden-Württemberg, von der Aussiedlerarbeit der EKD, vom Diakonischen Werk der EKD und der Württembergischen Landeskirche mitfinanziert worden sind. Viele Landsleute fanden mit Hilfe der Maßnahmen, der intensiven Gespräche, Referate, Diskussionen und des abendlichen geselligen Ausklangs Orientierung, Mut, Zuwendung, Verständnis und Zurüstung.

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Kontakte zu Kirchenleitungen

Als die Hilfskomitees 1947 nach ihren Aussiedlungsgebieten benannt unter dem Dach des damaligen Hilfswerks der EKD gegründet wurden, fand eine Zuordnung der einzelnen Hilfskomitees zu bestimmten Landeskirchen statt. Die Bayerische Evangelische Landeskirche und das ihr zugeordnete spätere Diakonische Werk dieser Landeskirche übernahm die Patenschaft für das Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen. So wurde der Sitz des Hilfskomitees nach München gelegt. Ein Büro in Räumen der Diakonie, ein Geschäftsführer und eine Sekretärin wurden von der Bayerischen Landeskirche über viele Jahre finanziert. Diese Personalstellen wurden in den letzten Jahren reduziert und im vergangenen Jahr ganz gestrichen. Das ist aus der Sicht des Hilfskomitees sehr bedauerlich, aber auf Grund der notwendigen rigorosen Sparmaßnahmen im gesamten kirchlichen Bereich nachvollziehbar. Selbstverständlich war der Kontakt zwischen Hilfskomiteevorstand und dieser Kirche besonders intensiv. Der Versuch, das Hilfskomitee auch landeskirchlich zu untergliedern, ist nicht als gelungen zu bezeichnen. Allerdings gab es auch Untergliederungen in Landeskirchen, in welchen der Zuzug von Siebenbürger Sachsen stärker war, z. B. in Baden-Württemberg. So kam es, dass zwischen Vorstandsmitgliedern des Hilfskomitees und der Leitung der Württembergischen Landeskirche häufiger Gespräche stattfanden. Dabei ging es um die Frage der kirchlichen Eingliederung der Siebenbürger Sachsen, die Vermeidung der Gründung einer Freikirche und die Eingliederung ausgesiedelter siebenbürgischer Pfarrer in den landeskirchlichen Dienst. Unter Bischof Keler, der auch die Funktion des Ratsvorsitzenden der EKD wahrnahm, gelang es, eine Regelung zu finden, wonach mit steigender Aussiedlerzahl aus Siebenbürgen auch eine bestimmte Zahl siebenbürgischer Pfarrer in _jeder Landeskirche übernommen wurde. Diese Regelung war mit Bischof Christoph Klein und dem Landeskonsistorium in Hermannstadt vereinbart. Voraussetzung der Übernahme war eine formale Entlassung aus dem Dienst der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien und die Ablegung eines Kolloquiums in der einstellenden Landeskirche. Auch wenn diese Regelung mit einigen persönlichen Härten verbunden war, hatte sie in mehrfacher Hinsicht eine segensreiche Wirkung: Die Pfarrer wurden zu Multiplikatoren für die kirchliche Beheimatung vieler Landsleute, sie wurden zu Brückenbauern zwischen Einheimischen und Aussiedlern und trugen viel zur Bewusstseinsbildung für die Aussiedlerproblematik bei Einheimischen bei. Auf die Lobbyarbeit des Hilfskomitees in den Landeskirchen ist auch die Einrichtung von landeskirchlichen Aussiedlerbeauftragten zurückzuführen. Die mit dieser Funktion betrauten Pfarrer konnten mit Grundsatzreferaten in Pfarrbezirken, Gottesdiensten und Gemeindetagen für Aussiedler und mit Aussiedlern, Publikationen u.a.m. viele Vorbehalte gegenüber Aussiedlern unter Einheimischen ausräumen, Ausgesiedelte selbst seelsorgerlich begleiten und kirchliche Gremien fachlich beraten und informieren. Es ist bedauerlich, dass sowohl auf EKD-Ebene als auch im Bereich der Württembergischen Landeskirche die Planstelle des Aussiedlerbeauftragten den Sparmaßnahmen zum Opfer fiel. Es wäre nicht uninteressant, eine Erhebung vorzunehmen um festzustellen, wieviele Aussiedler – insbesondere aus der GUS – durch das Fehlen seelsorgerlicher Ansprechpartner den Landeskirchen als Kirchensteuerzahler verloren gegangen sind, weil sie zu Freikirchen oder Sekten abgewandert sind. Das Hilfskomitee fand leider kein Gehör bei den Kirchenleitungen.

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Kontakt zur Heimatkirche

In der Nachkriegszeit war die Verbindung zwischen Funktionsträgern des Hilfskomitees und der Heimatkirche nur auf dem Wege sehr spärlicher, persönlicher Kontakte möglich. Auch die Korrespondenz unterlag der Zensur, sodass ein normaler Austausch über kirchliche oder theologische Fragen nur verschlüsselt erfolgen konnte. Der Vorstand des Hilfskomitees verstand sich zunächst auch sehr bewusst als Sprachrohr der Heimatkirche in den Aussiedlergebieten. Nach dem Generationenwechsel im Hilfskomiteevorstand kam es zu einer zeitweiligen Entfremdung zwischen Mitgliedern des Hilfskomiteevorstandes und dem Sachsenbischof in Hermannstadt. Trotzdem wuchsen die Kontakte zu Dechanten und Ortspfarrern. Der brüderliche Austausch wurde zur Selbstverständlichkeit, unabhängig von der Aussiedlerproblematik. Literatur, Medikamente, Lebensmittel, Maschinen, Fahrzeuge wurden zur Erleichterung des kirchlichen Dienstes und Versorgung der Schlechtergestellten in die Wege geleitet. Durch Spenden, Zuwendungen und Beiträge konnten Hilfeleistungen im Wert von über einer Million DM in die Gemeinden Siebenbürgens gelangen. Der gegenseitige Besuch von Hilfskomiteevorstand und Kirchenleitung, der theologische Austausch, das Miteinander in politischen und kirchenpolitischen Fragen sind – insbesondere nach dem Umsturz in Rumänien im Jahre 1989 – zur Selbstverständlichkeit geworden.

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