(Wappen) Siebenbuerger Sachsen in Baden-Württemberg (Wappen)
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6.1 Der Hilfsverein "Johannes Honterus" und sein Heimathaus Siebenbürgen

Christian Phleps

 
Schloß Horneck
Schloss Horneck, Heimathaus Siebenbürgen in Gundelsheim
       

Am Unterlauf des Neckars zwischen Heilbronn und Heidelberg liegt das mittelalterliche Städtchen Gundelsheim. Es wird überragt von Schloss Horneck, einer prachtvollen Barockanlage, die anstelle der im Bauernkrieg zerstörten Burg, dem Sitz des Deutschordensmeisters, errichtet ist. Schloss Horneck hatte während seiner wechselvollen Geschichte viele Herren, bis schließlich 1960 die Anlage vom Hilfsverein "Johannes Honterus" erworben wurde, um hier ein Zentrum für Siebenbürger Sachsen außerhalb der Heimat zu schaffen, insbesondere ein Altenheim nach dem Beispiel des ersten siebenbürgischen Altenheims in Rimsting am Chiemsee. Oskar Kraemer war damals Vorsitzender der Landsmannschaft und des Hilfskomitees; seine Idee der Gründung eines Heimathauses wurde mitgetragen von einsatzbereiten Landsleuten, die mit ihm zusammen das freigewordene Schloss Horneck fanden und mit Sachverstand und Geschick den Kauf ohne öffentliche Förderung bewerkstelligten. Dem hierzu gegründeten Hilfsverein "Johannes Honterus" stand Oskar Kraemer vor, als Geschäftsführer der übernommenen GmbH trug Richard Langer die Verantwortung – 21 Jahre lang! Als weitere Persönlichkeiten der "ersten Stunde" seien hier noch genannt die Gebrüder Erwin und Julius Wonner, Dr. Erich Phleps, Julius Zimmermann und viele andere. Nach ersten Renovierungen konnten schon 1961 sechzig Heimbewohner einziehen, Kurt Loew war Heimleiter, Maria Bayer und danach Hansi Weindel und Britta Tartler-Kopp als Heimmütter prägten den Geist des Hauses. Fast vierzig Jahre sind seither vergangen, über 600 betagte und hilfsbedürftige alte Damen und Herren haben in dieser Zeit hier ihren Lebensabend verbracht. Nach und nach wurde ein modernes Alten- und Pflegeheim mit bis zu 132 Bewohnern eingerichtet, das den aktuellen Anforderungen entspricht und auch den immer mehr gestiegenen Ansprüchen gerecht werden kann. Der Weg bis dahin war und ist noch schwer, eine Vielzahl von Umbauten, Renovierungen und Neubaumaßnahmen mit entsprechenden Strukturanpassungen waren erforderlich, Maßnahmen, die in den denkmalgeschützten, historischen Gebäuden schwierig und unverhältnismäßig teuer waren und sind! Besonders große Projekte waren der "Neubau" von 1973, der mit Appartements für 17 Bewohner zugleich die Verbindung des Schlosses mit den Nebengebäuden herstellte und mit seiner großen Dachterrasse für Hausbewohner wie auch für die vielen Besucher die Schönheit der Neckar- und Burgenlandschaft erschließt.

1976 wurde die zentrale Küche im Untergeschoss des Schlosses ausgebaut (Aufzug, Kühl- und Lagerräume, technische Ausstattung), 1978 erfuhren die Gemeinschaftsräume, Flure und Treppen eine grundlegende Erneuerung, auch wurde die Außenfassade neu geputzt, das Dach repariert und die Fensterläden erneuert und in den Farben der Deutschmeister schwarz-weiß gestrichen. Das alles wurde geleistet ohne öffentliche Förderung, bis auf geringe Zuschüsse des Denkmalamtes. Diese Leistung erfüllte die Verantwortlichen im ehrenamtlichen Vorstand und auch die Heimleitung und Heimbewohner mit Stolz und Genugtuung, hatten sie es doch für alle sichtbar bewiesen, dass zu Recht aus Flüchtlingen "Schlossherren" geworden waren.

Aber es blieb noch viel zu tun, jährliche Renovierungen und Investitionen in den Wohnräumen, an Versorgungsanlagen, bei der Wärmedämmung mit neuen Fenstern, im Außenbereich strapazierten den Etat jährlich mit 200.000 bis 400.000 DM neben der Zinsbelastung und Schuldentilgung, aber es musste sein, um den Bewohnern Sicherheit und Lebensqualität und dem Heimathaus seinen Bestand zu sichern.

Nach der Zurruhesetzung unseres bisherigen Architekten Hans-Wolfram Theil übernahm das Büro Kohlmeier die weitere Betreuung: zunächst mit der von Denkmalamt und Denkmalstiftung weitgehend bezahlten Renovierung des Festsaals zum repräsentativen Schmuckstück (1990), der Erneuerung der 100-jährigen Dampfheizung durch modernste Warmwasser-Ölzentralheizungen, Installation sämtlicher Versorgungsleitungen im Schloss und schließlich wurde 1995 das Großprojekt des neuen Pflegeheims in Angriff genommen. In drei Bauabschnitten werden mit einem Kostenaufwand von 12,5 Millionen Neu- und Umbauten im Bereich der Nebengebäude Süd-, Mittel- und Westbau erstellt. Die Finanzierung ist dank großer und zahlreicher Spenden von Freunden, mit Zuschüssen und Darlehen vom Land, vom Kreis, vom Deutschen Hilfswerk und dem Diakonischen Werk, unserem stets hilfsbereiten Dachverband, überschaubar, wenn auch noch über viele Jahre sehr belastend.

Die Maßnahme wird 2000 abgeschlossen sein, dann werden im neuen Pflegeheim 53 Plätze für Pflegefälle sowie im Schlossgebäude und im Südbau 67 Heimplätze für Altenheimbewohner zur Verfügung stehen.

Täger und Eigentümer des Heimathauses Siebenbürgen ist der Hilfsverein der Siebenbürger Sachsen "Johannes Honterus" e.V. Stuttgart. Der Verein hat etwa 650 Mitglieder und wird ehrenamtlich geführt vom Vorstand, bestehend aus 16 Damen und Herren, vier von ihnen bilden den geschäftsführenden Vorstand. Es sind dies z.Zt. Dr. Christian Phleps (1. Vorsitzender), Helmut Bonfert (2. Vorsitzender), Johann Artz (Rechner) und Martin Durst (Beisitzer). Der Vorstand verantwortet auch die Geschäftsführung des "Zweckbetriebes" Heimathaus, eine große Herausforderung für die Amtsträger.

In seiner Satzung verankert ist als Vereinszweck die Hilfe vor allem für Siebenbürger Sachsen wie auch die Pflege siebenbürgisch-sächsischen Kulturgutes und Brauchtums. In die Praxis umgesetzt umfasst die Hilfe für Landsleute die Seniorenbetreuung im Heim, wobei zwar Fürsorge und Pflege, Essen und Wohnen großes Gewicht haben, aber im Vordergrund steht das Wohlfühlen der Bewohner in heimatlicher Atmosphäre, wofür sich im Heim selbst die Heimleitung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich fühlen. Seit vielen Jahren wirken als Heimleiter Wolfgang Steiner und als Heimmutter He1ga Bitto. Kennzeichnend für das Heim ist die Pflege der sächsischen Mundart, die z.T. noch aus der Jugend bestehenden Freundschaften unter den Bewohnern, die traditionelle siebenbürgische Küche, Angebote wie Vorträge, Musikdarbietungen, Theater, Ausflüge, Gemeinschaftsveranstaltungen wie Singen, Basteln, private Feiern und besinnliche und heitere Feste (Fasching, Grillfest).

Besonders hervorzuheben ist, dass sich die rüstigen Heimbewohner um Kranke im Pflegeheim durch Besuche, Besorgungen, Spazierengehen kümmern. Die vorhandenen Gemeinschaftsräume, Festsaal, Kapelle, Fernsehraum, Richard-Langer-Saal, Cafeteria, die Terrasse oder die Bank unter der Linde führen die Menschen zusammen, wenn sie es nicht vorziehen, sich in ihre individuell mit eigenen Sachen ausgestatteten Einzel- oder Doppelzimmer zurückzuziehen.

Schloß Horneck
Schloss Horneck. Aufenthaltsraum im neuen Altenpflegeheim
       

Auch im Pflegeheim verleben die nicht Bettlägerigen den Tag in der hellen, sonnigen Aufenthalts- und Speisehalle oder bei Therapieangeboten in den entsprechenden Räumlichkeiten. Die zweite wichtige Säule des Heimathauses ist die Pflege der siebenbürgisch-sächsischen Kultur und des Brauchtums. So sind schon kurz nach Übernahme von Schloss Horneck in den für das Altenheim nicht benötigten Räumen die wissenschaftliche Bibliothek und das Museum heimisch geworden. Gemäß dem Satzungsauftrag hat der Hilfsverein zunächst durch bauliche Maßnahmen und durch Übernahme laufender Kosten, durch Verzicht auf Mietzahlungen u.a.m. die kulturellen Einrichtungen ermöglicht und getragen. Inzwischen sind sie eigenständig und unabhängig geworden (s. die speziellen Berichte). Aber für das Leben im Heimathaus ist das gegenseitige Befruchten von Wissenschaft und Erlebnisträgern, das Vorhandensein beachtlicher literarischer Zeugnisse in der Bibliothek und dinglicher Objekte im Museum großartig und die Voraussetzung dafür, dass für Landsleute und andere Interessierte hier ein Ort für das Fortbestehen des Kulturerbes unseres kleinen Volkes existiert.

 

Kontaktadressen:

Hifsverein der Siebenbürger Sachsen
"Johannes Honterus" e.V.
Florianstr. 18
70188 Stuttgart
Tel. 0711/2623344
Geschäftsstellenleiterin Dagmar Bonfert
Heimathaus Siebenbürgen
 
Schloss Horneck
74831 Gundelsheim
Tel.06269/4212-0
Heimleiter Wolfgang Steiner

Hinweis des Administrators:
Aktuelle Kontaktdaten im Jahr 2010:

Hifsverein der Siebenbürger Sachsen
"Johannes Honterus" e.V.
Florianstr. 18A
70188 Stuttgart
Tel. 0711 262 33 44
Geschäftsstellenleiterin Corina Krauss
Heimathaus Siebenbürgen
Alten- und Pflegeheim
Schloss Horneck
74831 Gundelsheim
Tel. 06269 4212-0
Heimleiter Gerhard Schmidt


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