(Wappen) Siebenbuerger Sachsen in Baden-Württemberg (Wappen)
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Die Sijuwa: Siebenbürgische Jugend Waiblingen

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Mit einer Gruppe für junge Erwachsene wollten die Mitglieder der Sijuwa eine Lücke schließen, die ihrer Meinung nach im Freizeitangebot der Landsmannschaft bestanden hat. Sijuwa bedeutet "Siebenbürgische Jugend Waiblingen" und richtete sich an Leute zwischen 20 und 30 Jahren aus dem Raum Stuttgart. Gegründet wurde die Gruppe am 13. Juni 1980 mit drei Mitgliedern. Diese Zahl erhöhte sich bald auf 14 und nachher auf 20. Die Vorsitzende der Sijuwaner war Heinke Lienert. Da sie zur gleichen Zeit auch das Amt der Landesjugendreferentin bekleidete, war die Arbeit dieser Jugendgruppe eng mit der des Landesjugendreferats verknüpft. Eine rege Tätigkeit, die mit viel Arbeit verbunden war, kam zustande. Von den zahlreichen in der Siebenbürgischen Zeitung veröffentlichten Mitteilungen sei hier die Vorstellung der Sijuwa von 1981 angeführt:

Wir Eumel von der Sijuwa

Ja, wir sind schon Eumel, wir von der Sijuwa. Was ein Eumel ist? Nun, die Leute, die im baden-württembergischen Skilager waren, und natürlich die Sijuwaner wissen es inzwischen: ein Eumel, das ist eine Art liebenswerter Dummkopf. (Eigentlich, haben wir erfahren, ist es zwar ein Schmutzteilchen in einem Vorhang, aber das macht ja nichts.)

Also, wir sind Eumel, wir von der Sijuwa. Mit uns kann man die anderen fangen.

Da ist zum Beispiel folgende Geschichte: Wir waren kaum drei Leute in der Jugendgruppe, aber wir besaßen die Unverschämtheit von mindestens einundzwanzig. Denn wir beschlossen kurzerhand uns beim Heimattag in Dinkelsbühl als Gruppe vorzustellen. Gesagt, getan. Wir setzten uns an ein paar Nachmittagen zusammen, flochten, sägten, bemalten und lackierten kleine Likörtabletts und fertigten Linolschnitte an. Die Motive auf den Tabletts, die Tabletts selber, die Drucke mit siebenbürgischen Kirchenburgen, alles hatten wir in mühseliger Kleinarbeit eigenhändig entworfen. Die Sachen waren wunderschön! So schön, daß uns in Dinkelsbühl offenbar kein Mensch glauben wollte, daß das alles auf unserem Mist gewachsen war. Obwohl wir Selbstkostenpreise gemacht hatten, verkauften wir fast nichts. Außer unserem selbstgebackenen Rhabarberkuchen natürlich, den uns die gefräßigen, Verzeihung, die hungrigen Vorübergehenden geradezu aus den Händen rissen.

Wir füllten mit dem Erlös unsere kleine Gruppenkasse auf und resignierten keineswegs. Mit den gleichen pulikums-unwirksamen Tabletts und Linolschnitten begaben wir uns schnurstracks zum Böblinger siebenbürgischen Waldfest, malten noch ein Plakat dazu und verteilten Handzettel, um auf uns aufmerksam zu machen. Inzwischen waren wir bereits zu fünft, hatten allerdings immer noch nicht mehr als die Unverschämtheit von 21. Die beiden Jungen (besser: jungen Männer), die dazugekommen waren, stammten aus den aufgelösten Jugendgruppen in Stuttgart und Ludwigsburg. Die Leiterin der drei Gruppengründerinnen hatte mehr oder weniger zufällig ihre Adresse gekannt. In Böblingen ergaben sich zwar weitere Kontakte mit Jugendlichen, die aber, ebensowenig wie in Dinkelsbühl, zu direkten Gruppenzugängen führten. Das kam dann erst später.

Zu viert gestaltete die Gruppe nun in ihrem frühen Babyalter ein Zeltlager in Frankreich. Die Sijuwa war inzwischen schon etwas gewachsen, zählte sechs oder sieben Mitglieder, aber zum größten Bedauern der Daheimbleiber wie der Frankreich-Urlauber konnten sich nicht alle von Job und Schule freimachen. Wir waren halt Eumel, auch wenn wir es damals noch nicht wußten.

Ob es nach den Sommerferien weitergehen würde? Wir waren erst skeptisch. Vielleicht kommt ja niemand mehr, dachten wir. Hatten wir gedacht. Aber dann organisierten wir als Lockmittel zum Wiederangewöhnen eine Party. Und Heinke, unsere Leiterin, begann - oder war das schon früher? - mit dem Schreiben ihrer berühmt-berüchtigten Sijuwa-Einladungsbriefe. Witzig-spritzig, muß ich sagen. Da lief den Leuten das Wasser im Mund zusammen, und sie kamen. Zwölf kleine Negerlein, könnte man ausdrücken. Aber so ganz stimmt das nicht. Schwarz waren eigentlich nur unsere "Franzosen".

Immerhin waren wir jetzt genug Leute, um ein Programm zusammenzustellen. Wir wollten Theater spielen. Aber wo? Für wen? Wer sollte mitmachen? Einige vertrösteten uns auf Semesterbeginn, dann wären auch Studenten, die sonst weiter entfernt wohnten, dabei. Na schön. Auf diese Weise rückte alsbald der Nikolaustag näher. Wir hatten beschlossen, die Kinder im Übergangswohnheim Schorndorf mit einer kleinen Inszenierung der Nikolaussage und mit selbstzusammengestellten Paketles zu beglücken. Die Päckchen packten wir an einem Bastelabend im frühen November, nur die Äpfel ließen wir draußen.

Das Theaterstückle war noch immer ungeschrieben. Wir setzten die erste Leseprobe an. Das Stück bestand am Nachmittag noch aus keiner Zeile. Heinke hatte das Buch mit der Sage, das sie ausgeliehen hatte, bereits zurückgegeben und die Sage halb vergessen. Mühselig kramte sie in ihrem Gedächtnis nach den Einzelheiten. Unsere Pressereferentin (auch sowas haben wir) mußte das ganze in Dialoge umsetzen und tippen. Eine Stunde vor Probenbeginn war das Stück fertig, ungeschliffen und im Rohbau, aber so blieb es dann auch. Es wurde geschwind abgezogen und verteilt, zum Glück stand uns eine Grundschule zur Verfügung, wo die Mutter unserer Leiterin arbeitet. Provisorisch erhielt jeder anwesende Sijuwaner eine Rolle zugeteilt - wer gerade da war, mußte halt lesen, ob er nun Theater spielen wollte oder nicht. Bei dieser Rollenverteilung blieb es dann. Wir kamen selten zum Proben, und wenn, dann alberten wir lieber rum, denn wenn man sich schon trifft, will man schließlich was davon haben. Aber die Aufführung klappte besser als wir es selbst erwartet hätten, für die Kinder wie für uns war es jedenfalls ein Heidenspaß. Es war ein weißer Nikolaustag mit einer Schneeballschlacht und Schneewanderung vor der Aufführung.

Hm, das Landesjugendseminar hätte ich beinahe vergessen. Dort war unsere Gruppe Gastgeber. Deshalb zögerten sich ja die Proben so lange hinaus. Und deshalb waren wir mit einemmal eine richtige Gruppe: beim Seminar kamen einige Neulinge dazu. Andere waren von Alt-Mitgliedern als Bekannte mitgeschleift worden. Eine Gruppe, ist sie erst einmal da, hat Magnetwirkung. Das baden-württembergische Skilager war übrigens auch eine sijuwanische Idee. Eine gute Idee, das werden die Lager-Eumel sicher bestätigen.

Und was machen wir jetzt? Wir versuchen gerade, eine Singgruppe auf die Beine zu stellen. Haben gerade die erste Probe hinter uns. Uschi, Harald, Gerry zwo und Marianne spielen nämlich Gitarre. Hoffentlich wird was aus unserer Musikbegeisterung. Jetzt gehen leider ein paar von uns weg, weil sie Abitur-Sonderkurs in Meersburg oder Mainz machen müssen. Darum, ihr Noch-nicht-Eumel aus der Umgebung von Stuttgart: wir sind jederzeit offen für Neuzugänge. Und wir können auch eines versprechen - bei uns ist keiner lange Neuling! Ihr fühlt Euch bereits beim zweiten Dabeisein so, als hättet ihr immer dazugehört.

Ich habe mit Absicht nicht gesagt, was "Sijuwa" eigentlich heißt. Es bedeutet "Siebenbürgische Jugend Waiblingen". Ich sage das darum jetzt erst, damit sich Nicht-Waiblinger auch angesprochen fühlen. Waiblinger sind wir in der Gruppe nur drei. Aber zwei davon sind Gründungsmitglieder und daher rührt der Name. (...)

Wegen Überlastung der aktiv Mitwirkenden und mangelnder Unterstützung löste sich; die Gruppe 1984 auf. Ob es diesbezüglich;je zu einem Nachfolger kommen wird, ist ungewiss.


© 1999 Email schickenLandesgruppe@siebenbuerger-sachsen-bw.de, Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. spring an den Anfang des Dokumentes