(Wappen) Siebenbuerger Sachsen in Baden-Württemberg (Wappen)
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Kreisgruppe Schwarzwald-Baar/Rottweil

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1. Zur geographischen Lage

Die Quelle des zweitgrößten europäischen Stromes, der Donau, ist bei weitem nicht die einzige landschaftliche Sehenswürdigkeit, die auf dem Gebiet der kombinierten Kreisgruppe Rottweil/Schwarzwald-Baar anzutreffen ist. Wie der Name es bereits verrät, umfasst dieses Gebiet zwei der drei Landkreise der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die, zum Regierungsbezirk Freiburg gehörend, landschaftlich sehr Reizvolles zu bieten haben:

Neben dem Südschwarzwald mit dem Oberlauf der bereits erwähnten Donau ist es die Schwäbische Alb mit ihren höchsten Bergen und das von Burgruinen und Schlössern begleitete Tal des Oberen Neckars, dessen Ursprung im Schwenninger Moos den südlichsten Zipfel des Landkreises Rottweil ausmacht.

Auch die urbanen Zentren, die den Neckar begleiten, sind bereits am Oberlauf mehr als nur erwähnenswert. Neben dem doppelstädtischen Oberzentrum Villingen-Schwenningen befindet sich nämlich hier auch Baden-Württembergs älteste Stadt, Rottweil, die als Ariae Flaviae schon zur Römerzeit eine bedeutende Rolle spielte.

Dieser wundervolle Landstrich inmitten des südlichen Baden-Württemberg mit seiner beträchtlichen Nord-Süd-Ausdehnung – von Sulz am Neckar bis zur Schweizer Grenze unweit des Rhein-Falles bei Schaffhausen – ist nach dem Zweiten Weltkrieg auch von Flüchtlingen und Spätaussiedlern aus Siebenbürgen zur Wahlheimat gekürt worden. Erst relativ spät, nämlich 1978, kam es hier zur Gründung einer Kreisgruppe und damit zur landsmannschaftlichen Erfassung und Organisation der aus Siebenbürgen stammenden Neubürger.

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2. Die ersten Siebenbürger in diesen Breitengraden

Siebenbürger Sachsen
Verleihung des Ordens "Ritter wieder den tierischen Ernst",  1994

Ende der 40er und während der 50er Jahre sind es äußerst wenige Siebenbürger, die sich für das Gebiet der späteren Kreisgruppe entscheiden. In der Nähe von Königsfeld war es der Landwirt Michael Thome (†), der später auch ein kleines Fuhrunternehmen gründete. In Königsfeld selber residierte der Volksschullehrer Paul Petri, der nach 36-jähriger Tätigkeit als Pädagoge Anfang der Neunziger in Pension ging und heute auch seinen "Unruhestand" im schönen Schwarzwald-Baar-Kreis verbringt. Nach Schwenningen heiratete 1950 der aus dem Burzenland stammende Hans Ludwig Mayer, dessen Kriegsgefangenschaft 1948 in Nordrhein-Westfalen endete. Er studierte Pharmazie und arbeitete als Apotheker von 1960 bis 1985 in einer zentral gelegenen Rottweiler Apotheke. Seither verbringt er seinen Ruhestand in Schwenningen, mittlerweile Stadtteil der Doppelstadt Villingen-Schwenningen.

1962 kam die zunächst in Kempten und München residierende Margarete Jekelius nach Rottweil. In der Schulstadt – Rottweil hat u. a. fünf Gymnasien – machte sie Karriere und ging 1988 als Studiendirektorin in Pension. Die Philologin und Hobby-Historikerin bietet Auswärtigen auch heute noch gern Stadtführungen durch die einstige Reichsstadt Rottweil an.

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3. Zur Gründung und Geschichte der Kreisgruppe

Erst in den 70er Jahren setzte mit der Gründung von Übergangswohnheimen in Rottweil und Villingen-Schwenningen eine intensivere Niederlassung von Siebenbürger Sachsen auf dem Gebiet unserer Kreisgruppe ein, die 1978 schließlich gegründet wurde.

Anfang 1970 kamen die Familien der Brüder Falk nach Villingen, wo Günter Falk auch heute noch eine Vertretung von Daimler-Benz innehat. 1973 war es die Nichte des bekannten siebenbürgischen Malers Honigberger, die Rottweil zu ihrer Wahlheimat machte. Ein Jahr nach Paula Honigberger kam auch ihr Sohn Helmut, 1980 dann ihre Tochter Helga, verehelichte Schuller. Inzwischen hatten die Ärzte Dieter und Bettina Steilner ihre Gemeinschaftspraxis für Kinderärzte in Rottweil gegründet, Pfarrer Sieghart Graef mit Frau Eva die Pfarrstelle Rottweil Nord übernommen und Heide Hoch, geb. Maentele, war mit ihrem Mann Werner aus Hessen hergekommen, um 1978 die Leitung des Rottweiler Übergangswohnheimes zu übernehmen.

Ähnlich sah es auch im Landkreis Schwarzwald-Baar aus: Selbst wenn einige der hier angesiedelten Siebenbürger im Übergangswohnheim in Rottweil waren, das Oberzentrum der Region, Villingen-Schwenningen, mit damals noch guten Chancen auf einen Arbeitsplatz, wurde allmählich zur Hochburg unserer Landsleute in diesen Breitengraden. Die Familien Kotsch und Kriner, das Lehrerehepaar Erna und Hans Teutsch, Katharina und Richard Ebner, Annemarie und Kurt Widmann, ja selbst der erste Vorsitzende der Kreisgruppe Nr. 31, Walter Klemm und Frau Renate, machten während der 70er Jahre die Doppelstadt zu ihrer neuen Heimat.

In jenen Jahren war nach Walter Klemms Ausführungen das Ehepaar Martin und Anni Gronnerth sehr aktiv. Als Kirchendiener sorgten sie dafür, dass der Saal des Martin-Luther-Gemeindehauses zu Villingen auch für die Adventsfeier der Kreisgruppe bereitstand, als Gartenfreunde waren sie immer willens, ihren in Waldesnähe gelegenen Garten für die Grillfeste der Landsleute zur Verfügung zu stellen. In dieser Gartenanlage außerhalb Villingens spürte man regelrecht den Atem des Schwarzwaldes: Es war, als käme Peter Munk, der Holländermichel oder womöglich das Glasmännchen von den Glashütten des Südschwarzwaldes daher, um Tannenzapfen in klingende Münze zu verwandeln.

So manchem unserer Landsleute erschienen die ersten Monate oder gar Jahre des Aufenthaltes in deutschen Märchenlandschaften einzigartig: Hatte man doch nach unendlich langer Zeit der Bemühungen um die Ausreisegenehmigung endlich sein lang ersehntes Ziel erreicht, nämlich als Deutscher unter Deutschen leben zu dürfen.

Hierbei erwies sich die Landsmannschaft – neben Hilfskomitee, Arbeitskreis für siebenbürgische Landeskunde, Kulturrat u. a. Einrichtungen der aus Siebenbürgen stammenden Neubürger – als sehr hilfreich. Im Rahmen unserer Kreisgruppe konnte dank der Aussiedlerbetreuung so manchem Ankömmling über die ersten Hürden hinweggeholfen werden. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre gab es sogar einen Fall, wo jahrelange Hilfestellung nötig war. Dabei wirkten auch Vertreter der Landesgruppe Baden-Württemberg mit. In den ersten Jahren waren dies vor allem Prof. Nikolaus Hubert aus Freiburg und Richard Löw aus Bietigheim- Bissingen.

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4. Auf dem Weg ins dritte Jahrtausend

Darüber hinaus bot und bietet die Kreisgruppe auch gesellige Veranstaltungen an, die sich mehr und mehr an den Gepflogenheiten der neuen Heimat orientieren: nicht bloß Diavorträge – wie sie zunächst Lehrer Michael Salmen gern in Villingen veranstaltete – auch Tagesausflüge, mehrtägige Reisen oder Kegelabende wurden im Laufe der Jahre angeboten und durchgeführt. Gerne erinnern wir uns an Luxemburg, Südtirol oder gar Paris, wo uns der Stuttgarter Landsmann Willy Lazar, der damals beruflich in Frankreichs Hauptstadt weilte, als Reiseleiter wertvolle Dienste erwies. Bei der Vorbereitung dieser Reisen hat sich das Ehepaar Max und Irmgard Kriner besondere Verdienste erworben.

Sehr engagiert waren die beiden Villinger auch bei den Transporten von Hilfsgütern in die alte Heimat. Diesbezüglich wirkten auch die Rottweiler Familien Graef, Schuller und Habicher aktiv mit. So veranstaltete Pfarrer Sieghart Graef bereits in der letzten Dezemberdekade 1989 einen dreisprachigen Gottesdienst in der Rottweiler Predigerkirche. Bei dieser Gelegenheit erfolgte auch ein Spendenaufruf, der überwältigende Ergebnisse zeitigte: Während der ersten Tage des Jahres 1990 begleitete Siegfried Habicher einen Transport mit Hilfsgütern aus Singen, Rottweil und Villingen-Schwenningen nach Siebenbürgen.

Der Engener Fahrschullehrer Dirk Hartig selbst steuerte den überladenen 16-Tonner trotz abenteuerlicher Zwischenfälle mit sicherer Hand über Wien und Budapest nach Hermannstadt, Mediasch und ins Burzenland. Zwei weitere Transporte – jeweils mit mehreren Fahrzeugen – waren in der Folgezeit nötig, um die von Alt- und Neubürgern gespendeten Hilfsgüter, die alle Vorratskammern und Garagen von Familie Graef, Familie Annemarie und Dr. Fritz Ruoff aus Rottweil sowie anderen Ärzten der Region überquellen ließen, nach Siebenbürgen zu bringen. Nicht zuletzt diese gemeinsamen Aktionen mit der hier siedelnden schwäbisch-alemannischen Bevölkerung erleichtern manchem Siebenbürger die Integration in seine neue Umgebung.

Auf der Suche nach neuen Ideen, die der Beheimatung unserer Landsleute dienen sollten, kam uns der Zufall zu Hilfe. Von Anfang an wirkte Paul Schuller als Tubabläser bei der Stadtkapelle Rottweil mit. So durfte er anlässlich des weithin bekannten Rottweiler Narrensprungs natürlich nicht vom Umzug fehlen. Im Gegenteil, er musste als städtischer Bläser aktiv das närrische Geschehen mitgestalten. Einer der ersten Winter war so streng, dass die Fastnacht mit ihren Umzügen bei klirrender Kälte stattfand. Hinterher erzählte Paul Schuller, dass seine Tuba sich bei den eisigen Temperaturen einfach verweigert habe, keinen Ton habe sie hergeben wollen. Und so sei er als stolzer Träger der stummen Tuba mitmarschiert, ohne mitmusizieren zu können.

Diesem Zwischenfall verdankt der Rottweiler Faschingsball – hierzulande eher als Fasnetsball bekannt – seinen besonderen Anziehungspunkt, nämlich die regelmäßige Kür des Siebenbürgischen Ritters wider den tierischen Ernst. Zweiter Glücksfall in diesem Zusammenhang war es, dass der damalige Bundesvorsitzende unserer Landsmannschaft, Dr. med. vet. Wolfgang Bonfert, spontan bereit war, sich zum Siebenbürgischen Ritter wider den tierischen Ernst schlagen zu lassen. Somit war eine Tradition begründet, die noch viele namhafte und verdienstvolle Siebenbürger aus ganz Deutschland und Siebenbürgen nach Rottweil kommen ließ.

1989 vermerkte die Schriftleitung der Münchener "Südostdeutschen Vierteljahresblätter" zur Rottweiler Ritterkür: Seit 1985 verleiht die "Foederatio Saxonica Transsilvana", ein vom Germanisten und Philosophen Siegfried Habicher in Rottweil in Baden-Württemberg gegründeter Verein, an Persönlichkeiten der Siebenbürger Sachsen den Titel "Siebenbürgischer Ritter wider den tierischen Ernst". Die in zunehmendem Maße Aufmerksamkeit erregende Ehrung wurde 1989 dem Schriftsteller und Publizisten Hans Bergel zuteil. Dabei hielt Siegfried Habicher am 4. Februar 1989 vor dem vollbesetzten "Pflugsaal" in Rottweil eine Laudatio von literatur-analytischem Wert, da er sich darin als erster mit der Funktion des Humors, der Ironie und Selbstironie in Bergels schriftstellerischem Werk beschäftigt.

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5. Siebenbürgischer Ritter wider den tierischen Ernst

Siebenbürger Sachsen
Georg Kraus wird zum "Ritter wieder den tierischen Ernst" geschlagen,  1994

 

Die Rottweiler Rittergalerie:

 1. Paul Schuller, Baden-Württemberg, 1985
 2. Dr. Wolfgang Bonfert, Saarland, 1986
 3. Karl Gustav Reich (†), Hessen, 1987
 4. Richard Löw, Baden-Württemberg, 1988
 5. Hans Bergel, Bayern, 1989
 6. Paul Rampelt (†), Bayern, 1990
 7. Ottmar Strasser, Baden-Württemberg, 1992
 8. Georg Kraus (†), Bayern, 1994
 9. Prof. Georg Scherg, Baden-Württemberg, 1995
10. Michael Trein, Baden-Württemberg, 1997
11. Udo-Peter Wagner, Siebenbürgen, 1999

 

 

 

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